Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde der Pfarrei Sankt Ansgar!
Am 14. September feiert die Kirche das Fest Kreuzerhöhung, es geht auf die Auffindung des Kreuzes Jesu durch die Heilige Helena zurück. Es ist ein Fest, das zunächst ungewöhnlich klingt: Warum sollte das Kreuz, dieses Zeichen des Leidens, der Gewalt und des Todes, „erhöht“ werden? Und doch ist es in unserem Glauben zentral. In vielen Wohnungen hängt ein Kreuz, und manche tragen es sogar an einer Kette um den Hals. Für uns Christinnen und Christen ist das Kreuz nicht das letzte Wort. Im Kreuz zeigt sich Gottes Liebe, die selbst dort bleibt, wo menschlich gesehen nichts mehr zu hoffen ist.
Das Bild auf der Vorderseite ist in der Karwoche im Kleinen Michel entstanden. Das Tuch vor dem Kreuz war mit biblischen Worten und menschlichen Bitten beschrieben. Gott und Mensch sind miteinander verwoben. Morgens fiel ab und an für einen kurzen Moment Sonnenlicht von hinten auf das verhüllte Kreuz. Das Licht machte das Tuch durchlässig – und plötzlich zeichnete sich das Kreuz deutlich ab. Trotz der Verhüllung war es sichtbar.
Diese Augenblicke sind mir deutlich in Erinnerung geblieben. Für mich sind sie auch ein Bild für unseren Glauben: Wir können vieles verhüllen, verdrängen oder nicht verstehen. Auch unser Leben kennt Zeiten, in denen Gott uns verborgen scheint, in denen Hoffnung nur wie ein Schatten zu erkennen ist. Aber das Kreuz lässt sich nicht endgültig verhüllen. Wo Gottes Liebe durchscheint, wird sichtbar, was es bedeutet: Christus geht den Weg durch Leid und Tod hindurch – und führt ins Leben.
Das Fest Kreuzerhöhung lädt uns ein, neu auf das Kreuz zu schauen. Nicht als Zeichen des Scheiterns, sondern als Zeichen einer Liebe, die stärker ist als der Tod. Manchmal braucht es dafür nur einen kleinen Moment oder einen Lichtstrahl. Vielleicht entdecken wir gerade dann: Die Heilsbotschaft des Kreuzes lässt sich nicht verhüllen. Gott ist in unserem Leben präsent.
Ihr Fabian Loudwin SJ