Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde der Pfarrei Sankt Ansgar, mit Herbstgedanken (zwischen Behalten und Vergessen) Anfang Oktober grüße ich Sie und Euch! Denken und Danken stammen in unserer Sprache aus ein und derselben Wurzel. In diesen Wochen danken wir für alle Früchte, die die Erde uns gebracht hat. Wieder ist eingebracht worden oder wird noch eingebracht und zusammengetragen, was unser Leben ermöglicht – Gott sei Dank! Unsere Gedanken können weitergehen und zu uns selbst zurückkehren. Wir denken darüber nach, wovon wir leben. Im Herbst eines Menschenlebens spricht man von „Lebensfrüchten“: Erfahrungen, Reife, Tiefe, das versuchen wir zu behalten. Wir mögen und sollten uns daran erinnern. Die Erinnerung, das Bewahren, ist ja so etwas wie das Speichern in Scheunen. Das Wort Erinnerung besagt auch, dass ein Vergangenes zu einem lebendigen inneren Besitz und dadurch ein unverlierbar Eigenes wird. Es gehört aber auch dazu, dass vieles vergessen werden darf oder muss, entsprechend dem, was zum Beispiel Stroh in der Natur ist. Wir müssen vergessen, sonst sind wir belastet mit vielem Unwesentlichen oder mit Kleinigkeiten – eben Stroh im Kopf. In der Natur geschieht das irgendwie von selbst: Wind, Regen und Frost tun das Ihrige. In unserem Inneren werden wir, was draußen unter dem Walten Gottes in der Natur geschieht, in eigener Bedachtsamkeit selber tun. Es ist gut, wenn wir das nicht dem Zufall überlassen. Dank sagen wir für beides, das zu Behaltende und das zu Vergessende. Wir müssen Erlebnisse, „in denen der Wurm war“, nicht konservieren, sondern getrost fallenlassen und vergessen. Wir wollen uns entschließen, manches wegzuwerfen und dem Verwelken oder dem Vergessen zu übergeben. Uns wird aufgehen, dass es weniger die äußeren, die vergänglichen Dinge sind, die es zu bewahren lohnt als die „Lebensfrüchte“, die uns mehr oder weniger zugefallen sind – von Gott. Der Herbst bringt auch die Entscheidung, was zum einen und was zum anderen gehört.
Mut zur Entscheidung, Ruhe zum Erinnern und Bewahren, Freude zum Vergeben, Aufgeben und Vergessen – das sind meine Wünsche für den Herbst.
Ihr und Euer
Kiezpastor Karl Schultz