Monatsbrief Mai 2026: Gottesdienste und Informationen

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Liebe Mitglieder, Freundinnen und Freunde unserer Pfarrgemeinde
St. Ansgar!

„Vorsicht Schwelle!“ steht auf dem kleinen Schild außen an meiner Bürotür. Macht man sie auf, muss man gut aufpassen. Die Schwelle ist hoch und das Schild ist klein. Ich sollte es eigentlich wissen, aber manchmal bin ich abgelenkt, hebe die Füße nicht hoch genug und dann stolpere ich selbst. Warum ist da diese hundert Jahre alte Stufe? Warum geht es nicht barrierefrei in mein Büro hinein? Ich versuche, dieser doofen Schwelle etwas abzugewinnen, wenigstens im übertragenen Sinn. Und da hat so eine Schwelle etwas zu sagen. Sie unterbricht den automatischen Ablauf. Ich muss den Fuß hochheben und wenn nötig auch einen Rollstuhl darüber bugsieren. Die Schwelle zwingt in jedem Fall dazu, langsamer zu werden. Ein Moment des Stockens, ein kurzer Widerstand, eine leichte Irritation: Solche kleinen Erhebungen im Lebensweg schärfen die Wahrnehmung: Was ist mir wirklich wichtig? Was braucht meine Aufmerksamkeit? Die Schwelle erinnert daran: Bewusst gesetzte Schritte tragen mich besser als bloßes Weiterschlurfen. Manchmal öffnen sich durch diese kleinen Unterbrechungen Räume, in denen Neues entstehen kann. Dann wird die Irritationen zur Einladung, weiter zu wachsen. Und aus dem Stolpern wird kein Scheitern, sondern ein Schritt in einen Raum, den man vorher nicht kannte. Ein Weg, der vielleicht schon darauf wartet, entdeckt zu werden. Das geschieht auch an Pfingsten. Für die Jünger lagen vor der Schwelle Angst, Unsicherheit und Orientierungslosigkeit. Gottes Geist trägt sie über die Schwelle. Aber Pfingsten ist kein zahmer Übergang. Es ist ein Moment, der machtvoll hineinbricht: Wind, der das Alte durcheinanderwirbelt. Feuer, das die Herzen entzündet. Worte, die das Unterschiedliche verbinden. Vielleicht ist auch das ein Teil solcher Übergänge: dass wir sie nicht immer kontrollieren oder planen können, sondern dass etwas Größeres uns ergreift und bewegt. Wir müssen nicht alles verstehen und alles planen, bevor wir die Schwelle überschreiten. Manchmal reicht es, sich berühren zu lassen von dem, was uns in Bewegung bringt.

Ein gutes Zugehen auf Pfingsten
wünscht Ihnen
Ihr Sebastian Fiebig, Pastoralreferent